Sachkosten nachhaltig senken
Ausgangsituation
2006 hatte die Märkische Kliniken GmbH ein umfassendes Reorganisationsprogramm aufgelegt und 2008 nach vielen Jahren erstmals wieder ein positives Betriebsergebnis erreicht. Die wesentlichen Erfolgstreiber waren Restrukturierungen/Reorganisationen in medizinischen und Funktionsbereichen und im Facility-Management sowie Leistungssteigerungen im medizinischen Bereich.
Da die Sachkosten trotz Mitgliedschaft in der PEG nicht sanken beschloss die Geschäftsführung, ein Einkaufsprojekt aufzulegen. Deshalb wurde Anfang 2008 die GÖK Consulting AG als externer Berater mit der Unterstützung des Zentraleinkaufs beauftragt.
Abb. 1 Projektbeispiel: Entwicklung Case Mix Punkte (CMP) sowie Medizinische Sachkosten inkl. externe ärztliche Leistungen (absolut und relativ zu CMP), Klinikum Lüdenscheid, seit 2008
Umsetzung
Im Projekt wurde das komplette medizinische Verbrauchsmaterial bearbeitet. Dabei stand wegen der besonderen Bedeutung des Segments das kardiologisch-radiologische Verbrauchsmaterial im Fokus.
Der Leitung der Kardiologie sowie den Leistungsträgern wurden alle Zahlen und Fakten präsentiert und Einvernehmen hergestellt zu diesen Vorgaben:
- Herstellen von Transparenz zu den klinisch-technischen Funktionalitäten der Verbrauchsmaterialien
- Definition eines Leistungsportfolios, bei dem vor allem die Spannbreite der Fallkomplexität realitätsnah abgebildet sein sollte
- Definition eines standardisierten Segmentes an Basisprodukten, mit dem etwa 85 % der Fälle klinisch gut behandelt werden können: „Golf statt S-Klasse“.
- ausreichend Freiheitsgrade für zukunftsfähige Innovationen und komplexe Fälle in ca. 15 % der Fälle, bei denen auch High End-Produkte zur Anwendung kommen konnten. Die Teilnahme an anspruchsvollen Studien sollte explizit weiterhin möglich sein.
- Standardisierung der gesamten Produktpalette, Straffung des Lieferantenportfolios und Erwirken attraktiver Preise sowie Konditionen.
In Abstimmung mit Geschäftsführung und den Chefärzten war eine klare, für die einzelnen Verbrauchssegmente differenzierte Beschaffungsstrategie festgelegt worden. Stark asymmetrisches Dual Sourcing beispielsweise galt für die Rhythmologie. Hier waren zwei Lieferanten mit unterschiedlichen Anteilen vorgesehen- 70% des Bedarfs an den besten Bieter, 30% an den folgenden. Damit konnten die Marktteilnehmer klar ihr unternehmerisches Wagnis bestimmen und entsprechend differenzierte Angebote vorlegen.
Ergebnis
Abb. 2 Entwicklung Sachkosten und Casemix in der Kardiologie seit 2008
Als Ergebnis dieses kooperativen Beratungsprozesses ist in den Märkischen Kliniken allein in der Kardiologie eine Systematik entstanden, die eine nachhaltige Senkung der Sachkosten bereits ab 2009 von 2 Mio. Euro bewirkte. Dabei fand die Vorgehensweise bei den Kardiologen, Radiologen und den weiteren einbezogenen Klinikern hohe Akzeptanz, da die nun verfügbaren Produkte qualitativ und funktional allen Anforderungen entsprechen. Die Nachhaltigkeit des Projekt zeigt sich darin, dass durch die konsequente Fortführung aller eingeleiteten strategischen Maßnahmen in 2010 gegenüber 2009 die Sachkosten nochmals gesenkt wurden (s. Abb. 2), übrigens nicht nur in der Kardiologie, sondern auch über den gesamten medizinischen Sachbedarf.
Die wirtschaftliche Auswirkung des Projektes auf das Gesamtergebnis der Märkischen Kliniken GmbH hat bis 2010 einen jährlichen Wertschöpfungseffekt von gut 3,6 Mio. Euro erreicht, mit Sachkosten, die um mehr als 30% unter InEK-DRG-Erlösanteilen liegen.
Für 2011 zeigt die Hochrechnung, dass die Sachkosten nochmals sinken werden, nunmehr jährlich um 4,3 Mio. €.




